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DEM LAND SEINE BILDER GEBEN...

10 Ausgaben Filmschau Baden-Württemberg, 23 Jahre Filmbüro Baden-Württemberg

Prolog

Der gemeinnützige Verein Filmbüro Baden-Württemberg e.V. versteht sich als Interessenvertretung der Filmschaffenden im Land. Das Filmbüro repräsentiert mit seinen Mitgliedern alle Sparten der Filmszene; der Schwerpunkt liegt auf Vertretern des Entwicklungs- und vor allem des Produktionsbereichs: Produzenten und Autoren, Komponisten, Schauspieler, Regisseure, der Branchennachwuchs sowie Medienpädagogen nützen die Infrastruktur des Filmbüros als Kommunikationsforum und als Sprachrohr nach außen. Das Filmbüro Baden-Württemberg e.V. hat seinen Sitz im Filmhaus Stuttgart und arbeitet eng mit den dort ebenfalls ansässigen Institutionen und Unternehmen wie dem Kommunalen Kino, Wand 5 und der Interspherial Drehbuchschule zusammen. 

Zur gezielten Förderung der Strukturen der hiesigen Filmbranche und zur Promotion der Werke der Filmschaffenden betreibt das Filmbüro diverse Aktivitäten, dazu gehört die Organisation und Durchführung der Festivals „Filmschau Baden-Württemberg“, „Bollywood and beyond - Indisches Filmfestival" und „Französische Filmtage Stuttgart“; die Betreuung der Kontaktforen „First Contact“ und "Autorenforum im Filmhaus" sowie die Mitherausgabe der Branchenfachzeitschrift „Filmfacts Südwest“.

Im Jahr 2004 feierte das Filmbüro die zehnte Filmschau Baden-Württemberg, die wie immer einen interessanten Querschnitt des Filmschaffens mit Landesbezug präsentierte. Und viel hat sich getan in der Medienlandschaft Baden-Württembergs in den über 23 Jahren, in denen das Filmbüro nun bereits existiert.

1. Dem Land seine Bilder geben – der lange Weg zur Filmschau

Die Anfänge – die bewegten 80er

Das Hamburger „Filmfest der Filmemacher“ im Oktober 1979 gilt als die Wiege der sogenannten „Filmbürobewegung“. In der „Hamburger Erklärung“ wurde vor allem eine Förderung des Dokumentarfilms verlangt und ferner dazu aufgefordert, dass sich die unabhängigen Filmemacher in regionalen Filmbüros organisieren. Das Hamburger Filmbüro wurde denn auch gleich gegründet, darauf folgten Nordrhein-Westfalen, Berlin und Hessen. In jedem Bundesland sollte sich ein Filmbüro gründen – mit der Intention einer gemeinsamen Interessenvertretung nach außen und einer besseren, vernetzteren Struktur der verschiedenen Gruppen und Filmemacher nach innen.

Nachdem ein erster Versuch während der missglückten baden-württembergischen Filmwoche 1980 gescheitert war, wurde schließlich im Oktober 1981 während der Mannheimer Filmwoche das baden-württembergische Filmbüro gegründet. Eine unabhängige Vereinigung von Filmemachern, Medienwerkstätten und einem Teil der Kommunalen Kinos im „Ländle“ war geboren. „Diesem Land seine Bilder zu geben und den Zuschauer zu unserem Verbündeten zu machen: das haben wir uns zum Ziel gesetzt“, verkündeten die Gründungsmitglieder. Die erste Aktivität des jungen Filmbüros war eine Werkschau mit Filmen und Videobändern während der Filmwoche in Mannheim, die dokumentieren sollte, dass es auch in Baden-Württemberg eine - wenn damals auch noch kleine - Filmkultur gab.

Gerade im Hinblick auf das Jubiläum der 10. Filmschau 2004 ist die Tatsache interessant, dass es bereits vor 23 Jahren eine Werkschau baden-württembergischen Filmschaffens gab.

Die damaligen Sprecher des Filmbüros, Mirjam Quinte, Otto Alder, Willi Karow und Achim Kurz, präsentierten sich der Presse als „unabhängige Selbsthilfe-Organisation der Film-, Video- und Kinomacher der Region“. Zum besseren Kennen lernen aller Super-8-, 16- und 35-mm-Filmer, Klubs, unabhängigen Spielstätten und Kinoinitiativen untereinander sollten vor allem die in der Folge zunächst vierteljährlich erscheinenden „BaWü filmblätter“ beitragen. Voller Selbstironie als „zentralorkan“ bezeichnet, versuchten sie zum Preis von seinerzeit zwei Mark u.a. eine Übersicht über die im „Ländle“ gestalteten Filme und deren Hersteller zu vermitteln.

Der Traum von Filmförderung und Kinomobil

Am 29. April 1982 wurde das Filmbüro als gemeinnütziger Verein anerkannt. Der damalige Verbandssprecher des Filmbüros, Ulli Pfau, erklärte gegenüber der Presse, dass sich das Filmbüro trotz der bewegten Zeiten nicht in eine politische Ecke drängen lassen dürfe. „Eine parteipolitische Ausrichtung würde den Tod des Filmbüros bedeuten. Das heißt natürlich nicht, dass wir den Problemen kritiklos gegenüberstehen.“ Anlässlich der dritten Werkschau auf der Mannheimer Filmwoche im Oktober

1983 lud das Filmbüro denn auch die Vertreter aller im Landtag vertretenen Parteien zu einem „filmpolitischen Gespräch“ ein. Otto Alder stellte die Konzeption des Filmbüros vor: Wie die „traditionellen“ Kunst- und Kultursparten, sollte auch der Film in Baden-Württemberg eine Kulturförderung erhalten. Man dachte dabei zunächst an eine Vertriebsförderung für fertiggestellte Produktionen sowie an strukturverbessernde Maßnahmen, wie die Ausstattung von Werkstätten mit technischen Geräten oder auch die Einrichtung eines Kinomobils, das die unterversorgte Provinz bereist und dort versucht, Interesse für anspruchsvolle Filme zu wecken. Ein weiterer Punkt war die Idee einer Produktionsförderung für Filme und Video, um die Abwanderung weiterer Filmemacher nach München oder Berlin zu verhindern.

Der anwesende Vertreter der damaligen Mehrheitsfraktion der CDU im Landtag, Dr. Dorn, verwies auf die Praxis bei den Privattheatern, die immer erst dann gefördert würden, wenn sie sich zehn Jahre lang „bewährt“ hätten und regte an, in der bisherigen Form weiterzuarbeiten und weitere Gespräche zu suchen. Im Übrigen trat er für eine Projektfinanzierung ein, wie sie für die Mannheimer Filmwoche erfolgt sei und auch für die (damals neuen) Internationalen Trickfilmtage in Stuttgart erfolge. Das Kino-mobil hielt er für „erwägenswert“, eine Produktionsförderung dagegen für wenig sinnvoll.

Auf die eigene Kraft vertrauend, schrieben sich die Filmbüroleute folglich zunächst nicht die Pro-duktionsförderung, sondern das Losungswort „Infrastruktur“ als ersten Programmpunkt auf die Fahnen. Und das Netzwerk wuchs beständig. Immerhin standen bald Bundesfilmpreisträger Renate Härtl und Peter Krieg auf der Mitgliederliste, aber auch die Amateurfilmgruppen in Blaustein und Heidelberg. Werner Schretzmaier, Redakteur der legendären Jugendserie "P", war ebenso mit dabei wie die „Medienwerkstatt Freiburg“, in der damals schon Filmemacher wie Mirjam Quinte, Didi und Pepe Danquart aktiv waren, oder die Initiative „Video Stuttgart“.

Der Traum vom Kinomobil wurde drei Jahre später wahr. Im März 1986 wurde der gemeinnützige Verein Kinomobil Baden-Württemberg e.V. gegründet. Ziel des gemeinnützigen Vereins ist bis heute, die Verbreitung von Filmkultur und Filmarbeit im ländlichen Raum zu fördern.

2. Die explosiven 90er

Der „Urknall in der Wüste“: Die Filmakademie Baden-Württemberg

Der Wunsch der Filmbüromitglieder nach einer Aus- und Weiterbildung im Filmbereich rückte knapp zehn Jahre nach der Vereinsgründung ebenfalls in greifbare Nähe.

Die IFO-Studie über "Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Kunst und Kultur" bewies Ende der 80er Jahre, dass der kulturelle Sektor dem Bruttosozialprodukt durchaus zuträglich ist: Die staatli-chen Einnahmen mit 15,7 Milliarden Mark aus Kunst und Kultur inklusive vor- und nachgelagerter Bereiche wie Herstellung und Handel überstiegen die Ausgaben um das Eineinhalbfache. Und nach einer neueren Studie der Karlsruher Volkswirtin Marlies Hummel arbeiteten Ende der 90er Jahre trotz des sich anbahnenden Kultur-Tiefs drei Prozent aller Erwerbstätigen im Kunst- und Kulturbereich; der Leistungsüberschuss 1996 betrug 24,7 Milliarden Mark.

Dass im Kulturbereich eine ganz erkleckliche Umwegrentabilität existiert, das wusste Hannes Ret-tich, Kunstkoordinator im Staatsministerium unter Lothar Späth, bereits 1990. In seiner Kunstkon-zeption des Landes Baden-Württemberg erklärte er, dass Kultur statt das "Allotria des Lebens" ein nicht zu unterschätzender Standortfaktor sei. "Kultur erhöht die Attraktivität eines Standorts und damit seine Wirtschaftskraft", so Rettich. "Aber das sollte nicht das einzige Motiv für den Staat sein, sie zu unterstützen."

Auf Grund dieser neuen Kunstkonzeption des Landes wurde eine lange Liste bedeutender Projekte auf den Weg gebracht, darunter das Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe, die Akademie Schloss Solitude – und 1991 die Filmakademie Baden-Württemberg, eine Tochtergesellschaft des Landes Baden-Württemberg.

Deren Entstehungsgeschichte steht an Spannung den an der Filmakademie entwickelten Drehbü-chern in nichts nach. Die medien- und filmpolitische Entwicklung des Landes Baden-Württemberg brauchte von jeher überzeugte Fürsprecher in den Ministerien. Einer von ihnen war Dr. Klaus Bes-sey: Seit 1974 gehörte der Film in seinen Zuständigkeitsbereich, zunächst im Wissenschaftsministe-rium, und von 2002 bis 2004 als leitender Ministerialrat im Staatsministerium. Er erinnert sich noch genau: „Als Beitrag des Wissenschaftsministeriums zur Filmkonzeption schickte ich damals die Idee einer Filmakademie ins Rennen. Anders als bei den Ausbildungsstätten mit Hochschulcharak-ter in Bayern und Berlin war hierfür von vorneherein geplant, auf der Basis eines dualen Systems von Praxis und Theorie vorzugehen. Das hieß: praxisbezogen, projektbezogen, projektbezogene Lehrkörper aus der Berufspraxis – und es hieß auch: drittmittelbezogen.

Man sagt immer spaßhaft, die Filmakademie sei auf Grund einer „Fehlspekulation“ entstanden. Tat-sächlich steckt ein Quäntchen Wahrheit hinter diesem Mythos: Und zwar wollte bereits damals die Landesregierung um Ministerpräsident Lothar Späth die Landesgirokasse und die Landesbank Baden-Württemberg fusionieren. Zur Vorbereitung dessen hatte die Landeskreditbank, eine hundert-prozentige Tochter des Landes Baden-Württemberg, in hoher Anzahl Aktienpakete erworben. Die Bankenfusion scheiterte dann zwar, aber die Aktien erfuhren eine immense Wertsteigerung.

Die Veräußerung erbrachte rund 123 Millionen Mark Gewinn. Lothar Späth entschied, dass mit dieser Summe über eine neu gegründete, gemeinnützige „Gesellschaft zur Förderung von Kultur und Wissenschaft“ (GKW) zumindest jener Teil der Kunstkonzeption unterstützt werden könnte, der Wissenschaft und gehobene Ausbildung betraf. Die Hälfte der Gesamtsumme wurde von der GKW zum Aufbau der Wissenschaftsstadt Ulm wei-tergeleitet, die zweite Hälfte für das gemeinnützige Zentrum für Europäische Wirtschaftsförderung in Mannheim (ZEW) - und eben die Filmakademie.

Ursprünglich basiert das Konzept der Filmakademie auf dem ähnlich praxisorientierten Modell einer damals ebenfalls geplanten Theaterakademie.

Als es nun um die Entscheidung ging, ob die Aktiengewinne für die Film- oder die Theaterakade-mie verwendet werden sollte, votierte ich für die Filmakademie. Das ‚schräge Geld’ passt doch viel besser zum Medium Film“, schmunzelt Dr. Bessey. „Für die Theaterakademie sollten doch besser Steuereinnahmen verwendet werden. Letztlich änderte sich dann aber ohnehin das politische Klima, und bis heute liegt die Idee einer Theaterakademie leider auf Eis“.

Zunächst war die GKW die Inhaberin der neuen Filmakademie, nach dem Aufbrauchen von deren Geldern dann das Land Baden-Württemberg. Albrecht Ade, vormals Professor für Grafik-Design an der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste, wurde als künstlerischer Direktor eingesetzt. Im Oktober 1991 wurde der Studienbeginn in Ludwigsburg mit 25 Studenten aufgenommen.

Anfängliche persönliche Konflikte zwischen der damaligen Akademieleitung und dem Filmbüro waren spätestens im Jahr 2000 beigelegt, als mit Michael Rösel und Sabine Huber zwei Absolven-ten der Ludwigsburger Talentschmiede die Leitung der sechsten Filmschau übertragen wurde. Nicht nur die Filmschau Baden-Württemberg wurde durch die Studentenfilme aus Ludwigsburg berei-chert, die Werke der Studierenden ernteten auch zahlreiche internationale Auszeichnungen, darunter den Studenten-Oscar.

Im Herbst 2004 stellten Dr. Arthur Hofer, seit 2001 künstlerischer Direktor der Filmakademie, und der Vorstand des Filmbüros fest, dass eine engere Kooperation beider Institutionen sinnvoll und fruchtbar sei. Erstes Kooperationsfeld stellt die Synergie der „Kleinen Filmschau“ mit seinem hochwertigen Kinderprogramm und dem neuen „Kinderfilmhaus“ der Filmakademie dar. www.filmakademie.de

Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe

Nicht nur an der Filmakademie Baden-Württemberg setzt man sich auf hohem Niveau mit der Aus-bildung im Filmbereich auseinander. Am 15. April 1992 wurde die Staatliche Hochschule für Ges-taltung (HfG) eröffnet. Sie wurde gemeinsam mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe während der Jahre 1989 bis 1992 von Prof. Dr. Heinrich Klotz gegründet.

Diese einmalige Verbindung von Lehr- und Forschungsstätten entspricht der neuen künstlerischen und pädagogischen Aufgabe, die traditionellen Künste auf die Medientechnologie und die elektroni-schen Herstellungsverfahren zu beziehen. Heute wird dort in den Fachbereichen Medienkunst, Gra-fik-Design, Produkt-Design, Szenographie und Kunstwissenschaft unterrichtet. Filmbüro-Pionier und Regisseur Didi Danquart ist dort Professor für Film und
Medienkunst.

Die Hochschule der Medien

Seit 1. September 2001 bündelt die Hochschule der Medien das Know-how der ehemaligen Hoch-schule für Druck und Medien (HDM) - eine traditionelle Ausbildungsstätte für Druck- und Medien-technik - und der Hochschule für Bibliotheks- und Informationswesen (HBI). Die Hochschule deckt europaweit als einzige alle Medienbereiche ab und versteht sich als Full-Service-Hochschule für die Medienindustrie.

Zahlreiche Studentenfilme liefen in den letzten Jahren bereits erfolgreich auf der Filmschau, und im Jahr 2003 gewann ein Team von HdM-Studenten mit seinem Animationsfilm „Meeresrausch“ den Förderpreis. Und auch der Preis in der Kategorie Dokumentarfilm ging an einen HdM-Studenten: Philip Gnadt und seinen Film „Paula“.

In Zusammenarbeit mit dem Filmbüro Baden-Württemberg e.V. wird in diesem Jahr erstmalig ein Projekt durchgeführt, dessen Ziel es ist, die verschiedenen Facetten der Festival-Organisation zu dokumentieren. Unter der Leitung von Prof. Stuart Marlow von der HdM und der Festivalleitung sind momentan 23 Studierende sowie drei Mitarbeiter des Filmbüros mit der Umsetzung des Pro-jektes „Festival-TV“ betraut. Durch ihre Berichte über die Veranstaltungen und Gäste der Jubi-läumsfilmschau möchten sie allen Interessierten die Arbeit vor und hinter den Kulissen eines Festi-vals näher bringen. www.hdm-stuttgart.de

Das Haus des Dokumentarfilms

Auch was die Förderung des Dokumentarfilms im Land betrifft, ging 1991 ein Wunsch für die Filmbüro-Betreiber in Erfüllung. Das "Haus des Dokumentarfilms" wurde als "Europäisches Medienforum" gegründet. Angeregt und gefördert wurde die Gründung durch den Süddeutschen Rundfunk aus Anlass des Europäischen Film- und Fernsehjahres. Die Kooperationen mit dem Filmbüro sind vielfältig, auch in diesem Jahr ist das Haus des Dokumentarfilms mit einem spannenden Projekt zu den Werken des naturfilmers Herman Hähnle auf der Filmschau vertreten.

Endlich: Die Filmförderung kommt!

In den 90er Jahren gingen noch weitere Wünsche der Filmbüromitglieder in Erfüllung – wenn auch in diesem Fall anders als vom Filmbürovorstand geplant. „Die Idee, dass Filmförderung zur Standortpolitik gehören könnte, kam bereits Ende der 70er Jahre auf“, erinnert sich Dr. Klaus Bessey heute.

„Parallel zur Entwicklung in Nordrhein-Westfalen sagten wir uns, dass wir auch bei uns im Land Flagge zeigen müssten im Bereich der Filmförderung. Um dann Anfang der 90er die Absolventen der neu gegründeten Filmakademie im Lande halten zu können, war eine Filmförderung sogar unerlässlich. Aus dem Filmbüro kam die Idee einer selbstverwalteten Filmförderung. Von Landesseite aus wollten wir jedoch wirtschaftslenkend tätig sein und gewährleistet wissen, dass die öffentlichen Gelder nach gewissen objektiven Kriterien vergeben werden und nicht von einem Verein. Das Filmbüro vertrat von jeher die Auffassung, dass es diese objektiven Entscheidungen treffen könnte, da waren wir aber unterschiedlicher Auffassung - und es gab durchaus auch Auseinandersetzungen und Vorwürfe an uns. Es war aber nicht unsere Absicht, über Inhalte zu entscheiden, von jeher galt hier im Land das liberale Prinzip der Staatsferne bei den Förderentscheidungen im Bereich Kunst und in der Medienpolitik. Unsere Richtung hat sich dann ja tatsächlich auch überall durchgesetzt. Die Verteilung der Mittel ging bundesweit immer mehr an zwar autonom arbeitende, aber doch staatlich geschaffene und verantwortliche Einrichtungen, nicht an selbstverwaltete. Als Kompromiss mit dem Filmbüro habe ich mich dann im Gegenzug – auch in politisch für den Film wieder schwierigen Zeiten – dafür stark gemacht, dass der Verein Gelder zur Promotion der in Baden-Württemberg geschaffenen Filme bekommt. So kam die Filmschau Baden-Württemberg in Stuttgart zu Stande – und sie wächst ja bis zum heutigen Tage stetig.“

Zur Förderung der Medien, der Informationstechnologie und des Mediums Film, wurde Ende 1995 also die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg, kurz MFG, gegründet. Die Gesellschafter der MFG sind das Land Baden-Württemberg und der SWR. Schon 1996 konnte Hadwig Goez, Festivalleiterin der zweiten und dritten Filmschau in Stuttgart (1996 und 1997), eine positive Zwischenbilanz über die Auswirkung der Filmförderung auf die Einreichungen zum Festival ziehen. Aber dies war erst der Anfang.

Ende 1997 entschloss sich der Vorstand des Filmbüro Baden-Württemberg, sein Mitglieder-Journal „Rundbrief“ aufzugeben und stattdessen ab April 1998 die MFG-Filmförderung bei der Herausgabe ihres Publikationsorgans „Filmfacts Südwest“ zu unterstützen, das seither drei Mal im Jahr erscheint. In den Filmfacts Südwest finden sich unter anderem Informationen über aktuelle Aktivitäten der MFG-Filmförderung, Berichte zu laufenden Produktionen in Baden-Württemberg, aktuelle Termine zu Veranstaltungen sowie ein Produktionsspiegel. Darüber hinaus gibt es in jeder Ausgabe einen Themenschwerpunkt. Den Filmschaffenden bietet sich durch die „Filmfacts Südwest“ die Chance, dieses Magazin als Sprachrohr für ihre Projekte, Tätigkeiten und Produktionen zu nutzen. Dienstleister in der Filmbranche haben hier die Möglichkeit, in Form von Anzeigen ihre Produkte und Angebote gezielt einer Fachleserschaft anzubieten. Mitglieder des Filmbüros erhalten die Filmfacts gratis zugestellt.

www.film.mfg.de

http://www.film.mfg.de


3. Eine neue Basis: das Stuttgarter Filmhaus

Am 30. September 1995 wurde das Amerikahaus in der Stuttgarter Friedrichstraße geschlossen. Die zentrale Lage des Gebäudes in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof der Landeshauptstadt bot ideale Bedingungen für ein neues Medienzentrum – das Filmhaus Stuttgart. Von November 1995 bis Juli 1996 zogen die ersten Mieter in das Gebäude ein: das waren neben dem Filmbüro Baden-Württemberg e.V. zunächst die Vereine Kommunales Kino Stuttgart (genannt KoKi, gegründet 1971, von 1976 - 1997 im Planetarium der Stadt untergebracht) sowie Wand 5. Im neuen Domizil in Stuttgart veranstaltete das Filmbüro vom 9. bis 12. November 1995 dann die erste offizielle Filmschau Baden-Württemberg.

„Zum ersten Mal findet sie als eigenständige Veranstaltung statt, zum ersten Mal in diesem erweiterten Rahmen und als erste Veranstaltung im neuen Filmhaus“, freute sich seinerzeit Dieter Marcello, damaliger Vorsitzender des Filmbüros.  „Und, wenn alles gut geht, werden sich in diesen Tagen auch zum ersten Mal die sonst so strikt getrennten Welten von unabhängiger und Auftrags-Filmproduktion mischen.“

Depression durch Fusion?

Die Gästeliste der vierten Filmschau (27. – 29. November 1998) war beeindruckender denn je: unter anderem waren Wim Wenders und Douglas Wolfsperger ebenso angereist wie Nina Grosse und Martin Feifel, die den MFG-geförderten Hölderlin-Film „Feuerreiter“ präsentierten. Dennoch stellte die Presse auf dem Festival eine eher gedrückte, diskussionsunfreudige Stimmung fest. Lag es daran, dass sich entgegen massiver Proteste am 1. September 1998 SDR und SWF zum Südwestdeutschen Rundfunk zusammengeschlossen hatten? Schon bei der zweiten Filmschau 1996 hatte die 1. Vorsitzende des Filmbürovorstands, Beate Ehrmann, zusammen mit Arne Braun vom Stadtmagazin LIFT eine filmpolitische Podiumsdiskussion mit Sendervertretern und Produzenten moderiert und anschließend den „runden Tisch“ zum Thema Senderfusion ins Leben gerufen. Die Sender- und parteiübergreifende Gesprächsrunde hatte sich seither alle zwei Monate im Filmhaus getroffen.

Teilgenommen hatten neben Entscheidungsträgern aus der Filmförderung und der beiden Sender wichtige Produzenten des Landes (Peter Rommel, Bernd Hellthaler, Michael Jungfleisch u.a.) sowie die Politiker Günther Oettinger CDU, Michael Sieber CDU, Birgit Kipfer SPD, Michael Jacobi, Grüne. Dieser runde Tisch hatte ein überregionales Presseecho gefunden, die Fusion kam natürlich dennoch – und mit ihr die 1998 auf der Filmschau spürbare Resignation. Thomas Klingenmaier von der „Stuttgarter Zeitung“ mutmaßte: „Weil eine große Ernüchterung, um nicht zu sagen: Depression bei den Film- und Medienschaffenden eingekehrt ist angesichts der Senderfusion im Südwesten. Der Mammutsender SWR ist die entscheidende Größe am Standort.


Dass er nun weiter Produktionen im eigenen Haus hält und nichts zur Entwicklung einer freien Medienszene tut, dass er durch Streichung von Senderkapazitäten das Auftragsangebot noch verkleinert hat, dass er im Wirrwarr seiner Neustrukturierung wenig Sorge dafür getragen hat, den Draht zu den Medienschaffenden außerhalb zu halten, addiert sich für manchen zur Ausladung aus Baden-Württemberg.“ "Nicht die Fusion zweier Sender zu einem großen Sender an sich“, erinnert sich Beate Ehrmann, „sondern die Tatsache, dass ausgerechnet der fiktionale Film- und TV-Bereich im idyllischen Baden-Baden angesiedelt wurde und nicht in Stuttgart blieb, in der räumlichen Nähe von Filmförderung, Produzenten und Filmakademie, erwies sich als großer Hemmschuh für die heimische Produktion, da aus einem angestrebten Filmland der kurzen Wege eines für Langläufer und Hindernisspezialisten wurde." „Durch die Finanzsituation des Senders und die politisch gewollte Aufrechterhaltung der Produktionsstrukturen in Baden-Baden waren den Outsourcing-Bemühungen Grenzen gesetzt“, wie sich Dr. Bessey erinnert. "Es war tatsächlich relativ schwierig, als Produzent mit dem Sender und den Redaktionen ins Gespräch zu kommen“.

1998 schien zudem eine Stagnation in der Weiterentwicklung des Filmhauses erreicht. Daher fand auf der vierten Filmschau eine Diskussionsrunde unter dem Thema „Filmhaus - Spukhaus?“ statt. Welche Schritte waren sinnvoll, um Leben in das ins Stocken geratene Projekt Filmhaus zu bringen? Dem Filmbürovorstand war klar, dass gerade jetzt unabhängigen Produktionsfirmen und deren Filmstoffen ein Forum gegeben werden musste – nicht nur im Rahmen der Filmschau.

Neue Impulse

Damit das Filmbüro nicht nur fertige Produktionen unterstützte, sondern auch wieder mehr in Entwicklungsprozesse eingebunden werden konnte, rief Beate Ehrmann das Autorenforum „Auf“ ins Leben. Dieses verstand sich als Zusammenschluss professioneller Film- und Medienautoren in Baden-Württemberg. Das Autorenforum traf sich einmal im Monat, angegliedert an den in diesem Jahr eingerichteten Jour Fixe der MFG-Filmförderung. Das aktuelle Treffen des Autorenforums findet übrigens im Rahmen der 10. Filmschau am Freitag, den 3. Dezember ab 18.00 Uhr in der Bibliothek des KoKi im Filmhaus Stuttgart (2. Stock) statt.

 


1999 wurde auch die Lesung aus noch nicht verfilmten Drehbüchern von der Dramaturgin Beate Ehrmann ins Leben gerufen. Die sogenannten „Stuttgart Readings“ – Schauspieler lesen aus noch nicht verfilmten Drehbüchern – fanden von 1999 bis 2002 insgesamt acht Mal statt - mit wechselnden Kooperationspartnern wie Literaturhaus Stuttgart, Biberacher Filmfestspiele, Film- und Medienfestival GmbH Stuttgart und den Französischen Filmtagen. Erstmals jedoch auf der 5. Filmschau vom 3. – 5. Dezember 1999 unter der Leitung von Martin Schnitzer.

Film Commission Region Stuttgart

Eines der gravierendsten Probleme der Filmbranche jener Tage war laut Dr. Bessey eine "noch nicht ausreichend entwickelte Infrastruktur". Deswegen werde hier, so argumentierte zum Beispiel der SWR, zu teuer produziert. Man müsse Schauspieler, Teammitglieder, Dienstleister oder Equipment von außerhalb holen.

Doch wer das filmische Potenzial einer Region optimal nutzen möchte, braucht ein gutes Netzwerk. Da das Filmbüro außer den Geldern für die Veranstaltung der Filmschau und den Mitgliedsbeiträgen über keinerlei finanzielle Kapazitäten verfügte, war eine Versorgung des gewachsenen Standorts von hier aus nicht gewährleistet. Weltweit gibt es das Konzept der Film Commissions: ein kostenloser Service für Dreharbeiten, stets an einen öffentlichen Träger gebunden, mehr als nur ein Locationbüro als zentraler Ansprechpartner für die Filmbranche im Land und außerhalb. 1998 wurde auf Grund der Bedarfssituation eine solche Film Commission auch für die Region Stuttgart ins Leben gerufen. Über die Initiative Medienregion Stuttgart wurde diese neue Institution bei der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart angesiedelt.


Seit 1999 unterstützt die Film Commission Region Stuttgart die Filmschaffenden mit vielfältigen Kontakten, einer umfangreichen Location-Datenbank , einem ausführlichen Production Guide und vor allem mit jeder Menge Know-How über die Branche in der Region Stuttgart. Seit fünf Jahren ist die Film Commission Region Stuttgart zentraler Ansprechpartner für alle, die in der Region Filme und Videos produzieren. „Junge Talente nutzen hier ihre erste große Chance, erfahrene Produzenten und Redakteure setzen erfolgreiche Projekte um“, erklärt Geschäftsführerin Marianne Gassner. Es gibt eine inspirierende Website mit Filmen, die in den letzten Jahren in Stuttgart und der Region gedreht wurden ( www.locationguide.de ).

Zwischenzeitlich haben sich unter Federführung und mit finanziellen Mitteln der MFG-Filmförderung und nach dem Vorbild in der Region Stuttgart weitere Film Commissions im Land, in den Regionen Freiburg, Bodensee-Oberschwaben und Rhein-Neckar-Dreieck, gegründet. Dieses Netz regionaler Beratungsstellen für die Filmwirtschaft wird weiter ausgebaut.


Das Filmhaus wächst

Im Jahr 2001 lud das Medienteam der Stadt Stuttgart die renommierten, jährlich im Oktober stattfindenden „Französischen Filmtage Tübingen“ mit einer eigenen Stuttgart-Sektion ins Filmhaus ein. Die organisatorische Durchführung wurde dem Filmbüro übertragen.

Im August 2001 begann unter Federführung des Medienteams die nächste Umbauphase des Filmhauses. Da man mit der Etablierung einer Gastronomie weiteres Leben in das Stuttgarter Filmhaus bringen wollte, wurde auch das Erdgeschoss neu zugeschnitten und im Innenhof eine Außengastronomie für den Sommer eingerichtet. Nach der Eröffnung einer Gastronomie im Erdgeschoss schien die Befreiung des Stuttgarter Filmhauses vom „Torsodasein“ der nächste logische Schritt zu sein. Am 9. Oktober 2002 beschloss der Gemeinderat der Stadt Stuttgart die Ausweitung des Filmhausbetriebs auf alle Etagen. Im Oktober 2002 räumte das Stadtmessungsamt die oberen Stockwerke, und die Komplettrenovierung des dritten sowie die Teilrenovierung des vierten Geschosses wurden in Angriff genommen. Seit Januar 2003 haben zahlreiche Firmen aus dem Film-, Medien- und Musikbereich die Büroräume im Filmhaus bezogen, unter anderem der Verein "Kinomobil Baden-Württemberg e.V.". Somit ist auch dieser "Gründertraum" des Filmbüros endlich unter dem selben Dach beheimatet.

 


Aber auch die Erfüllung der Forderung der Vereinsgründer nach Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Medienschaffende und Anfänger im Filmbereich ist seit einiger Zeit im Filmhaus gewährleistet. Bereits 1998 entwickelte das KoKi ein Konzept für das Filmhaus als Ort der Weiterbildung im Medienbereich. Seither gibt es unter dem Motto „Lernort Kino“ regelmäßig Sonderveranstaltungen für Schulklassen. Im September 2000 lud das Medienteam der Stadt Stuttgart die Interspherial Drehbuchschule ein, deren 10-monatige Ausbildung zum Drehbuchautor sowie Dramaturgie-Einzelseminare künftig in Saal 2 anzubieten. Inzwischen veranstaltet die Drehbuchschule diesen professionellen Ausbildungskurs bereits zum fünften Mal im Filmhaus. Seit November 2002 ergänzt das KoKi das Angebot im Haus durch Kurse für interessierte Laien und den semi-professionellen Bereich. Unter dem Oberbegriff „KoKi-Training“ werden Blockseminare zu Themen wie „Technik und Praxis des Digitalschnitts“, „Schauspielen für den Film“ oder „Filme verstehen – Einführung in die Filmanalyse, Interpretation und Kritik“ angeboten.


4. Neues Jahrtausend – neue Wege  

Neuer Schwerpunkt Nachwuchsförderung Im Jahr 2001 fand im Filmbüro ein Umbruch statt. Die ursprünglichen Ziele wie die Etablierung einer Filmförderung, die Förderung der hiesigen Programmkinobetreiber und der Traum von einem "Kinomobil" – sie alle waren 20 Jahre nach der Gründung des Vereins längst Realität geworden. Zum großen Teil aber eben außerhalb des Filmbüro-Vereins. Es war an der Zeit für neue Horizonte, neue Aufgaben - und ein neues Konzept. Oliver Mahn, der im März 2002 zum ersten Vorstand gewählt wurde, übernahm 2001 die Leitung der 7. Filmschau und führte die Organisation erstmals fast ausschließlich mit jungen Medienpraktikanten durch.  

„Die Einbeziehung von jungen Menschen in die Projektarbeit ist für das Filmbüro kein Experiment, sondern funktionierendes und bewährtes Konzept“, so Ausbilderin Wiebke A.C. Reiß. „Hier wird das in Schule oder Studium angeeignete Wissen praktisch weitergeführt.“ Bei der Arbeit mit dem Filmbüro stehen soziale Kompetenz, Teamfähigkeit und das Überwinden von Generationengrenzen im Vordergrund. Zusätzlich zu den zahlreichen Praktika bietet das Filmbüro seit 2004 einen Ausbildungsplatz zur Event-Kauffrau bzw. zum Event-Kaufmann an. 

Doch nicht nur durch die Arbeit im Filmbüro selbst möchte der Verein dem Nachwuchs den Einstieg in die Medienbranche im Land erleichtern. Im Jahr 2001 wurde das Nachwuchsforum „First Contact“ gegründet. Das Forum, das ehrenamtlich vom Vereinsvorstand betreut wird, vermittelt Praktika bei baden-württembergischen Film- und Medienunternehmen, hilft bei Bewerbungsfilmen, bietet Jungautoren dramaturgische Beratungen an und stellt für Film- und Medienstudierende erste Kontakte zur Branche her. Zu erreichen ist ‚First Contact' über das Filmbüro, Ansprechpartner ist der zweite Vorstand, Drehbuchautor Jørn Precht. Außerdem veranstaltet das Filmbüro seit 2003 in einer Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt Stuttgart regelmäßig Filmseminare mit jugendlichen Spätaussiedlern.  

Um den filmischen Nachwuchs noch mehr an das Land Baden-Württemberg und dessen Werkschau zu binden, bemühte sich das Filmbüro außerdem um attraktivere Festivalpreise. Der im Jahr 2001 eingerichtete Schülerfilmwettbewerb der Filmschau wurde 2004 mit dem Schüler-Film-Festival Reutlingen zusammengelegt. Der neu entstandene Wettbewerb um den Jugendfilmpreis erreicht nun noch mehr Jugendliche und vergibt Preise im Wert von insgesamt 1.000,-- Euro.  

Bereits 2002 wurde auf der Filmschau der "Förderpreis der Baden-württembergischen Filmindustrie“ etabliert. Dieser Preis mit Sachleistungen hiesiger Medienunternehmen im Wert von ca. 60.000 Euro zur Förderung der Talente des Landes Baden-Württemberg sollte neue Synergien schaffen. Für diesen Preis kooperierte das Filmbüro mit der Film Commission Region Stuttgart. „Junge Talente werden durch diesen Förderpreis an hiesige Unternehmen gebunden und umgekehrt“, so Co-Initiatorin Marianne Gassner.  

Der Standort wächst – die Festivals auch

„Die neuen Preise haben die Anzahl der Einreichungen zur Filmschau vervielfacht“, so Festivalleiter Oliver Mahn. „Unsere Werkschau wird seit drei Jahren immer ernster genommen. Wo wir früher noch um Einreichungen betteln mussten, sind uns heute viele Einreicher böse, wenn wir sie aus Kapazitätsgründen ablehnen müssen“. Die Festivalarbeit des Filmbüros noch mehr ins Gespräch bringen wird gewiss der neueste Filmpreis, der von der Robert Bosch Stiftung gestiftet wurde: der „Filmförderpreis für Koproduktion in Deutschland und Mittel- und Osteuropa“. „Mit der Gesamtfördersumme von 210.00 Euro dürften der Preis und die Filmschau bald beim Nachwuchs der gesamten europäischen Branche ein Begriff sein“, hofft Oliver Mahn.


Den Blick der Welt auf das Filmland Baden-Württemberg lenken – und umgekehrt. Das hat sich das Filmbüro zum Ziel gesetzt. „Als wir 2003 Robert Altmans ‚The Company' als Eröffnungsfilm zeigten, wunderten sich viele darüber, dass der Film tatsächlich in Ludwigsburg finanziert wurde“, erinnert sich Oliver Mahn. „Wir möchten zeigen, dass Baden-Württemberg einflussreicher ist als viele wissen. Dass ich das Potenzial des Standorts ernst nehme, versuchte ich neben der inhaltlichen Vielfalt auch durch eine äußere Ästhetik zu repräsentieren. Anfangs wunderte man sich in der Branche etwas, dass wir für Französische Filmtage Stuttgart und Filmschau mit rotem Teppich, Palmen und Scheinwerfern arbeiteten. Für uns gehört dies aber zum neuen Selbstbewusstsein des Standorts, das sich bei bestimmten Veranstaltungen auch in deren äußerem Erscheinungsbild niederschlagen sollte. Natürlich sind unsere finanziellen Mittel sehr beschränkt, aber die Kreativität unser jungen Praktikantinnen und Praktikanten macht hier vieles wieder wett. All das heißt aber nicht, dass wir den einstigen Independent-Charme der Filmschau vergessen haben oder nur noch die kommerzielle Branche im Auge haben – im Gegenteil.“ „Trashige Independent-Aufführungen mit anschließenden Partys im Underground wie zum Beispiel bei Szene-Wirtin Laura-Halding-Hoppenheit – die übrigens auch überzeugtes Filmbüromitglied ist - konnten wir uns, vor allem dank der permanenten Einbeziehung der Jugend in die Organisationsarbeit, trotz der Professionalisierung des Festivals erhalten“, freut sich Regisseur und Drehbuchautor Jørn Precht. „Die Bilder des Landes sind bunt, und das wollen wir auch nach 23 Jahren gern in allen Nuancen zeigen.“  

Vom einstmaligen Branchentreffpunkt für Medienschaffende hat sich die Filmschau dank des bunt orchestrierten Programms in den letzten Jahren immer mehr auch zum Publikumsfestival gemausert. Hierzu trägt die Mischung aus Premieren, Themenreihen und Wettbewerben bei, die dem interessierten Publikum eine breite Palette des baden-württembergischen Filmschaffens präsentiert. Die Einrichtung eines eigenen Kinderprogramms, der Wettbewerb um den Jugendfilmpreis, populäre Screenings von beliebten Reihen wie „Tatort “ oder Kindermagazinen tun ein Übriges. Und trotz regelmäßiger Retrospektiven - wie die Reihen zu Regisseuren mit Bezug zum Land (Carl Lämmle, Nico Hofmann, Roland Emmerich u.v.a.) oder zu bestimmten Jubiläen wie etwa 2002 zum Landesjubiläum - blieb der Blick dieses wichtigen Branchenmeetings stets nach vorne gerichtet.  

Das Konzept scheint bei Branche und Publikum gleichermaßen aufzugehen. 2002 musste die Filmschau zum ersten Mal auf Räumlichkeiten außerhalb des Filmhauses zugreifen, da die Zuschauerzahlen 2001 massiv angestiegen waren und die Kapazität des Stuttgarter Filmhauses durch die Renovierungsmaßnahmen seinerzeit ohnehin begrenzt war. Seither ist das stilvolle Metropol Kino im ehemaligen Hauptbahnhof in der Bolzstraße regelmäßiger Partner für die Veranstaltungen des Filmbüros. 2003 wurde erstmals auch Ludwigsburg mit in das Veranstaltungsprogramm aufgenommen.  

Der Blick in die Welt – Bollywood and beyond

Im Wissen um den immer größeren Einfluss Baden-Württembergs auch im internationalen Filmgeschäft griff das Filmbüro im Frühjahr diesen Jahres eine Idee auf, die ihren Anfang in Los Angeles genommen hatte. Auf der dortigen Location-Expo war 2003 ein Foreign Shooting Coordinator aus Indien auf die Region Stuttgart als Drehort aufmerksam geworden.  

Ein Kontakt zur hiesigen Film Commission kam zu Stande, anknüpfend daran wurden indische Produzenten eingeladen, sich bei einer Locationtour über die große Vielfalt interessanter Motive des Landes Baden-Württemberg zu informieren und hier Filmprojekte zu drehen. Bereits im Juli 2003 wurden zwei indische Produktionen in der Stadt Stuttgart und Umgebung realisiert.  

Im Rahmen der städtepartnerschaftlichen Veranstaltung "Stuttgart meets Mumbai" besuchte dann Anfang 2004 eine Wirtschaftsdelegation mit dem 1. Bürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart, Jürgen Beck, sowie dem indischen Honorarkonsul Andreas Lapp Indien. Bei der Veranstaltung in Mumbai (Bombay) entwickelten Marianne Gassner und Dr. Hans-Joachim Petersen zusammen mit einem indischen Produzentenverband die Idee eines indischen Filmfestivals in Stuttgart.


Von der Stadt Stuttgart damit beauftragt, dieses Indische Filmfestival zu organisieren, freute sich der Vorstand des Filmbüros über diese Chance, verschiedene Länder und Kulturen zusammen zu führen und Kooperationen mit Baden-Württemberg zu fördern. Mit dieser Initiative sollte die Festivallandschaft in der Region bereichert werden. Ziel des Festivals „Bollywood and beyond“ war es - neben einer Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit – den Zuschauern einen Blick auf die kulturelle Vielfalt dieser in Deutschland (noch!) weitgehend unbekannten Filmindustrie zu ermöglichen.  

Vom 14. - 18. Juli 2004 fand dieses Filmfestival in und rund um das Stuttgarter Filmhaus sowie in Ludwigsburg statt – und das Publikum schien auf ein solches Programm nur gewartet zu haben: Über 3.500 Besucher strömten in die Veranstaltungsorte. Am Rande des Festivals führte die Film Commission Region Stuttgart mit Unterstützung der MFG-Filmförderung erneut Locationtouren für die anwesenden indischen Produzenten statt. Finanziert wurde das Festival je zu gleichen Teilen von der Landeshauptstadt Stuttgart und der Stadt Ludwigsburg, der größte Teil des Geldes kam jedoch von privaten Sponsoren: allen voran die U.I. Lapp GmbH, dann die Daimler Chrysler AG und die Robert Bosch GmbH.  

„Die Tatsache, dass ein international interessantes Festival im Land in Folge einer städtepartnerschaftlichen Initiative und aus einer natürlichen Bedarfssituation bei Publikum und Wirtschaft entstehen kann, ist für das Filmbüro sehr spannend“, erklärt Oliver Mahn. „Es könnte ein Signal für die Festivalpolitik im Land sein.“    

Ausblick – das Filmbüro als unabhängige Produzentenförderung?  

Seit Anfang 2004 ist nun auch die letzte freie Medienbürofläche im Stuttgarter Filmhaus vermietet. Medienteamchef Hans-Joachim Petersen hat sich für 2005 eine noch größere Auslastung an Fremdveranstaltungen im Filmhaus Stuttgart vorgenommen. Vom Erlös sollen technische Neuanschaffungen finanziert werden. Die beiden jungen Festivals "Bollywood and beyond" und "Kinoblick – Tage des russischen Films" sollen weiter wachsen. Dafür wird zusätzlich der Innenhof und der Eingang an der Lautenschlagerstraße saniert.  

Trotz dieser erfreulichen Entwicklung möchte das Filmbüro Baden-Württemberg e.V. sein Engagement künftig keineswegs auf den Abspielbereich beschränken, sondern auch wieder mehr denn je als unabhängige Interessenvertretung der Produzenten im Bundesland fungieren. Medienanwalt und Vereinsvorstand Heiko Burkardsmaier: „Die Erfolge des Verbandes deutscher Filmproduzenten haben uns motiviert, hier wieder aktiver zu werden“.  

Einige im Filmbüro erinnern sich noch gut an die Worte Thomas Klingenmaiers, der angesichts der Senderfusion im Lande 1998 in der Stuttgarter Zeitung resümierte: „Folglich bräuchte es eine starke Interessenvertretung der freien Medienszene, die als Korrektiv zu Sender, Medien- und Filmgesellschaft und Landespolitik agiert und beharrlich auf die realen Arbeitsbedingungen aufmerksam macht“.  

„Der ‚streitbare Haufen', als den sich Herr Klingenmaier seinerzeit das Filmbüro erhoffte, sind wir schon aus Kapazitätsgründen nur bedingt“, bemerkt Oliver Mahn bei der Durchsicht des Presse-Archivs der vergangenen Jahre, „aber auf jeden Fall sind wir es gewohnt, uns trotz chronischen Geldmangels durchzubeißen und zu kämpfen.“ Was die Notwendigkeit einer starken Interessenvertretung der unabhängigen Medienszene betrifft, darüber scheint man sich ohnehin auch in den etablierten Institutionen im Klaren zu sein. „Die MFG zum Beispiel hat uns zu unserem Vorhaben ausdrücklich ermutigt“, berichtet Jørn Precht. Auch Dr. Bessey zeigt sich im Interview überzeugt, dass das Filmbüro in der Pflicht steht, die Promotion der Ideen und Filme unabhängiger Produzenten voranzutreiben. „Dies beinhaltet auch politische Arbeit für den Standort beim hiesigen Sender.“ Und auch Wolfgang Katzke, einer der erfolgreichsten unabhängigen Produzenten im Land (zwei in Baden-Württemberg gedrehte SAT.1 TV-Movies 2003 und 2005), erklärt: „Der Bedarf ist da. Wenn das Filmbüro als Interessenvertretung der Produzenten fungiert, wird die Mitgliederzahl bestimmt steigen.“


Eines steht fest: Auch ein knappes Vierteljahrhundert nach seiner Gründung und der Erfüllung vieler anfänglicher Wünsche für das Land – für das Filmbüro Baden-Württemberg e.V. gibt es auch in Zukunft noch viel zu tun.    

Jørn Precht, 21. November 2004    

Textquellen:

Bär, Peter: "Dem Land seine Bilder geben - aber womit?" in Rhein-Neckar-Zeitung, Donnerstag, 13. Oktober 1983 Flenner, Günter: "Raus aus der Film-Provinz" in Sonntag Aktuell, 11. April 1982  

Precht, Jørn: „Die Geschichte des Filmhauses Stuttgart“ auf der Website www.filmhaus-stuttgart.de , 2003  

Precht, Jørn: „Die Entstehung von Filmakademie und Filmförderung in Baden-Württemberg“ – Interview mit Dr. Klaus Bessey, November 2004, noch unveröffentlicht Haus des Dokumentarfilms: „Gründung und Organisation des Hauses des Dokumentarfilms“ auf www.hdf.de , o.J.  

Klingenmaier, Thomas: „Jede Menge aufgeschobene Debatten“ in Stuttgarter Zeitung, 1. Dezember 1998 Mostbacher-Dix, Petra & Schwab, Helene: "Wie verkauft man Unverkäufliches?" in Sonnendeck - Stuttgarter Kunstnotizen, 12/2003 ( www.sonnendeck-stuttgart.de )  

Schnell, Constantin: „Gemeinsam sind wir stark“ – Interview mit Dr. Klaus Bessey, in: FILMFACTS SÜDWEST, 3/2002 Walter, Uwe: "Einsame Rufer in der Wüste" in Stuttgarter Nachrichten, 16. August 1983  

Unbekannter Verfasser (Kürzel jhe): "Filmemacher aus dem "Ländle", Mannheimer Morgen, 9. Oktober 1981 Unbekannter Verfasser (Kürzel bcc/bz): „Filmkultur im Land“ in TÜTE, Ausgabe ? 81/82, Seite 16  

Dank an:

Dr. Klaus Bessey, Andreas Bühler, Jonnie Döbele, Beate Ehrmann, Marianne Gassner, Hadwig Goez, Susanne Graf, Willi Karow, Hannelore Kober, Dieter Krauß, Anne Marburger, Hans-Joachim Petersen, Kathrin Rohwedder, Constantin Schnell.
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3. Eine neue Basis: das Stuttgarter Filmhaus

Am 30. September 1995 wurde das Amerikahaus in der Stuttgarter Friedrichstraße geschlossen. Die zentrale Lage des Gebäudes in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof der Landeshauptstadt bot ideale Bedingungen für ein neues Medienzentrum – das Filmhaus Stuttgart. Von November 1995 bis Juli 1996 zogen die ersten Mieter in das Gebäude ein: das waren neben dem Filmbüro Baden-Württemberg e.V. zunächst die Vereine Kommunales Kino Stuttgart (genannt KoKi, gegründet 1971, von 1976 - 1997 im Planetarium der Stadt untergebracht) sowie Wand 5. Im neuen Domizil in Stuttgart veranstaltete das Filmbüro vom 9. bis 12. November 1995 dann die erste offizielle Filmschau Baden-Württemberg.

„Zum ersten Mal findet sie als eigenständige Veranstaltung statt, zum ersten Mal in diesem erweiterten Rahmen und als erste Veranstaltung im neuen Filmhaus“, freute sich seinerzeit Dieter Marcello, damaliger Vorsitzender des Filmbüros.  „Und, wenn alles gut geht, werden sich in diesen Tagen auch zum ersten Mal die sonst so strikt getrennten Welten von unabhängiger und Auftrags-Filmproduktion mischen.“

Depression durch Fusion?

Die Gästeliste der vierten Filmschau (27. – 29. November 1998) war beeindruckender denn je: unter anderem waren Wim Wenders und Douglas Wolfsperger ebenso angereist wie Nina Grosse und Martin Feifel, die den MFG-geförderten Hölderlin-Film „Feuerreiter“ präsentierten. Dennoch stellte die Presse auf dem Festival eine eher gedrückte, diskussionsunfreudige Stimmung fest. Lag es daran, dass sich entgegen massiver Proteste am 1. September 1998 SDR und SWF zum Südwestdeutschen Rundfunk zusammengeschlossen hatten? Schon bei der zweiten Filmschau 1996 hatte die 1. Vorsitzende des Filmbürovorstands, Beate Ehrmann, zusammen mit Arne Braun vom Stadtmagazin LIFT eine filmpolitische Podiumsdiskussion mit Sendervertretern und Produzenten moderiert und anschließend den „runden Tisch“ zum Thema Senderfusion ins Leben gerufen. Die Sender- und parteiübergreifende Gesprächsrunde hatte sich seither alle zwei Monate im Filmhaus getroffen.

Teilgenommen hatten neben Entscheidungsträgern aus der Filmförderung und der beiden Sender wichtige Produzenten des Landes (Peter Rommel, Bernd Hellthaler, Michael Jungfleisch u.a.) sowie die Politiker Günther Oettinger CDU, Michael Sieber CDU, Birgit Kipfer SPD, Michael Jacobi, Grüne. Dieser runde Tisch hatte ein überregionales Presseecho gefunden, die Fusion kam natürlich dennoch – und mit ihr die 1998 auf der Filmschau spürbare Resignation. Thomas Klingenmaier von der „Stuttgarter Zeitung“ mutmaßte: „Weil eine große Ernüchterung, um nicht zu sagen: Depression bei den Film- und Medienschaffenden eingekehrt ist angesichts der Senderfusion im Südwesten. Der Mammutsender SWR ist die entscheidende Größe am Standort.


Dass er nun weiter Produktionen im eigenen Haus hält und nichts zur Entwicklung einer freien Medienszene tut, dass er durch Streichung von Senderkapazitäten das Auftragsangebot noch verkleinert hat, dass er im Wirrwarr seiner Neustrukturierung wenig Sorge dafür getragen hat, den Draht zu den Medienschaffenden außerhalb zu halten, addiert sich für manchen zur Ausladung aus Baden-Württemberg.“ "Nicht die Fusion zweier Sender zu einem großen Sender an sich“, erinnert sich Beate Ehrmann, „sondern die Tatsache, dass ausgerechnet der fiktionale Film- und TV-Bereich im idyllischen Baden-Baden angesiedelt wurde und nicht in Stuttgart blieb, in der räumlichen Nähe von Filmförderung, Produzenten und Filmakademie, erwies sich als großer Hemmschuh für die heimische Produktion, da aus einem angestrebten Filmland der kurzen Wege eines für Langläufer und Hindernisspezialisten wurde." „Durch die Finanzsituation des Senders und die politisch gewollte Aufrechterhaltung der Produktionsstrukturen in Baden-Baden waren den Outsourcing-Bemühungen Grenzen gesetzt“, wie sich Dr. Bessey erinnert. "Es war tatsächlich relativ schwierig, als Produzent mit dem Sender und den Redaktionen ins Gespräch zu kommen“.

1998 schien zudem eine Stagnation in der Weiterentwicklung des Filmhauses erreicht. Daher fand auf der vierten Filmschau eine Diskussionsrunde unter dem Thema „Filmhaus - Spukhaus?“ statt. Welche Schritte waren sinnvoll, um Leben in das ins Stocken geratene Projekt Filmhaus zu bringen? Dem Filmbürovorstand war klar, dass gerade jetzt unabhängigen Produktionsfirmen und deren Filmstoffen ein Forum gegeben werden musste – nicht nur im Rahmen der Filmschau.

Neue Impulse

Damit das Filmbüro nicht nur fertige Produktionen unterstützte, sondern auch wieder mehr in Entwicklungsprozesse eingebunden werden konnte, rief Beate Ehrmann das Autorenforum „Auf“ ins Leben. Dieses verstand sich als Zusammenschluss professioneller Film- und Medienautoren in Baden-Württemberg. Das Autorenforum traf sich einmal im Monat, angegliedert an den in diesem Jahr eingerichteten Jour Fixe der MFG-Filmförderung. Das aktuelle Treffen des Autorenforums findet übrigens im Rahmen der 10. Filmschau am Freitag, den 3. Dezember ab 18.00 Uhr in der Bibliothek des KoKi im Filmhaus Stuttgart (2. Stock) statt.


1999 wurde auch die Lesung aus noch nicht verfilmten Drehbüchern von der Dramaturgin Beate Ehrmann ins Leben gerufen. Die sogenannten „Stuttgart Readings“ – Schauspieler lesen aus noch nicht verfilmten Drehbüchern – fanden von 1999 bis 2002 insgesamt acht Mal statt - mit wechselnden Kooperationspartnern wie Literaturhaus Stuttgart, Biberacher Filmfestspiele, Film- und Medienfestival GmbH Stuttgart und den Französischen Filmtagen. Erstmals jedoch auf der 5. Filmschau vom 3. – 5. Dezember 1999 unter der Leitung von Martin Schnitzer.

Film Commission Region Stuttgart

Eines der gravierendsten Probleme der Filmbranche jener Tage war laut Dr. Bessey eine "noch nicht ausreichend entwickelte Infrastruktur". Deswegen werde hier, so argumentierte zum Beispiel der SWR, zu teuer produziert. Man müsse Schauspieler, Teammitglieder, Dienstleister oder Equipment von außerhalb holen.

Doch wer das filmische Potenzial einer Region optimal nutzen möchte, braucht ein gutes Netzwerk. Da das Filmbüro außer den Geldern für die Veranstaltung der Filmschau und den Mitgliedsbeiträgen über keinerlei finanzielle Kapazitäten verfügte, war eine Versorgung des gewachsenen Standorts von hier aus nicht gewährleistet. Weltweit gibt es das Konzept der Film Commissions: ein kostenloser Service für Dreharbeiten, stets an einen öffentlichen Träger gebunden, mehr als nur ein Locationbüro als zentraler Ansprechpartner für die Filmbranche im Land und außerhalb. 1998 wurde auf Grund der Bedarfssituation eine solche Film Commission auch für die Region Stuttgart ins Leben gerufen. Über die Initiative Medienregion Stuttgart wurde diese neue Institution bei der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart angesiedelt.


Seit 1999 unterstützt die Film Commission Region Stuttgart die Filmschaffenden mit vielfältigen Kontakten, einer umfangreichen Location-Datenbank , einem ausführlichen Production Guide und vor allem mit jeder Menge Know-How über die Branche in der Region Stuttgart. Seit fünf Jahren ist die Film Commission Region Stuttgart zentraler Ansprechpartner für alle, die in der Region Filme und Videos produzieren. „Junge Talente nutzen hier ihre erste große Chance, erfahrene Produzenten und Redakteure setzen erfolgreiche Projekte um“, erklärt Geschäftsführerin Marianne Gassner. Es gibt eine inspirierende Website mit Filmen, die in den letzten Jahren in Stuttgart und der Region gedreht wurden ( www.locationguide.de ).

Zwischenzeitlich haben sich unter Federführung und mit finanziellen Mitteln der MFG-Filmförderung und nach dem Vorbild in der Region Stuttgart weitere Film Commissions im Land, in den Regionen Freiburg, Bodensee-Oberschwaben und Rhein-Neckar-Dreieck, gegründet. Dieses Netz regionaler Beratungsstellen für die Filmwirtschaft wird weiter ausgebaut.


Das Filmhaus wächst

Im Jahr 2001 lud das Medienteam der Stadt Stuttgart die renommierten, jährlich im Oktober stattfindenden „Französischen Filmtage Tübingen“ mit einer eigenen Stuttgart-Sektion ins Filmhaus ein. Die organisatorische Durchführung wurde dem Filmbüro übertragen.

Im August 2001 begann unter Federführung des Medienteams die nächste Umbauphase des Filmhauses. Da man mit der Etablierung einer Gastronomie weiteres Leben in das Stuttgarter Filmhaus bringen wollte, wurde auch das Erdgeschoss neu zugeschnitten und im Innenhof eine Außengastronomie für den Sommer eingerichtet. Nach der Eröffnung einer Gastronomie im Erdgeschoss schien die Befreiung des Stuttgarter Filmhauses vom „Torsodasein“ der nächste logische Schritt zu sein. Am 9. Oktober 2002 beschloss der Gemeinderat der Stadt Stuttgart die Ausweitung des Filmhausbetriebs auf alle Etagen. Im Oktober 2002 räumte das Stadtmessungsamt die oberen Stockwerke, und die Komplettrenovierung des dritten sowie die Teilrenovierung des vierten Geschosses wurden in Angriff genommen. Seit Januar 2003 haben zahlreiche Firmen aus dem Film-, Medien- und Musikbereich die Büroräume im Filmhaus bezogen, unter anderem der Verein "Kinomobil Baden-Württemberg e.V.". Somit ist auch dieser "Gründertraum" des Filmbüros endlich unter dem selben Dach beheimatet.


Aber auch die Erfüllung der Forderung der Vereinsgründer nach Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Medienschaffende und Anfänger im Filmbereich ist seit einiger Zeit im Filmhaus gewährleistet. Bereits 1998 entwickelte das KoKi ein Konzept für das Filmhaus als Ort der Weiterbildung im Medienbereich. Seither gibt es unter dem Motto „Lernort Kino“ regelmäßig Sonderveranstaltungen für Schulklassen. Im September 2000 lud das Medienteam der Stadt Stuttgart die Interspherial Drehbuchschule ein, deren 10-monatige Ausbildung zum Drehbuchautor sowie Dramaturgie-Einzelseminare künftig in Saal 2 anzubieten. Inzwischen veranstaltet die Drehbuchschule diesen professionellen Ausbildungskurs bereits zum fünften Mal im Filmhaus. Seit November 2002 ergänzt das KoKi das Angebot im Haus durch Kurse für interessierte Laien und den semi-professionellen Bereich. Unter dem Oberbegriff „KoKi-Training“ werden Blockseminare zu Themen wie „Technik und Praxis des Digitalschnitts“, „Schauspielen für den Film“ oder „Filme verstehen – Einführung in die Filmanalyse, Interpretation und Kritik“ angeboten.


4. Neues Jahrtausend – neue Wege  

Neuer Schwerpunkt Nachwuchsförderung Im Jahr 2001 fand im Filmbüro ein Umbruch statt. Die ursprünglichen Ziele wie die Etablierung einer Filmförderung, die Förderung der hiesigen Programmkinobetreiber und der Traum von einem "Kinomobil" – sie alle waren 20 Jahre nach der Gründung des Vereins längst Realität geworden. Zum großen Teil aber eben außerhalb des Filmbüro-Vereins. Es war an der Zeit für neue Horizonte, neue Aufgaben - und ein neues Konzept. Oliver Mahn, der im März 2002 zum ersten Vorstand gewählt wurde, übernahm 2001 die Leitung der 7. Filmschau und führte die Organisation erstmals fast ausschließlich mit jungen Medienpraktikanten durch.  

„Die Einbeziehung von jungen Menschen in die Projektarbeit ist für das Filmbüro kein Experiment, sondern funktionierendes und bewährtes Konzept“, so Ausbilderin Wiebke A.C. Reiß. „Hier wird das in Schule oder Studium angeeignete Wissen praktisch weitergeführt.“ Bei der Arbeit mit dem Filmbüro stehen soziale Kompetenz, Teamfähigkeit und das Überwinden von Generationengrenzen im Vordergrund. Zusätzlich zu den zahlreichen Praktika bietet das Filmbüro seit 2004 einen Ausbildungsplatz zur Event-Kauffrau bzw. zum Event-Kaufmann an. 

Doch nicht nur durch die Arbeit im Filmbüro selbst möchte der Verein dem Nachwuchs den Einstieg in die Medienbranche im Land erleichtern. Im Jahr 2001 wurde das Nachwuchsforum „First Contact“ gegründet. Das Forum, das ehrenamtlich vom Vereinsvorstand betreut wird, vermittelt Praktika bei baden-württembergischen Film- und Medienunternehmen, hilft bei Bewerbungsfilmen, bietet Jungautoren dramaturgische Beratungen an und stellt für Film- und Medienstudierende erste Kontakte zur Branche her. Zu erreichen ist ‚First Contact' über das Filmbüro, Ansprechpartner ist der zweite Vorstand, Drehbuchautor Jørn Precht. Außerdem veranstaltet das Filmbüro seit 2003 in einer Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt Stuttgart regelmäßig Filmseminare mit jugendlichen Spätaussiedlern.  

Um den filmischen Nachwuchs noch mehr an das Land Baden-Württemberg und dessen Werkschau zu binden, bemühte sich das Filmbüro außerdem um attraktivere Festivalpreise. Der im Jahr 2001 eingerichtete Schülerfilmwettbewerb der Filmschau wurde 2004 mit dem Schüler-Film-Festival Reutlingen zusammengelegt. Der neu entstandene Wettbewerb um den Jugendfilmpreis erreicht nun noch mehr Jugendliche und vergibt Preise im Wert von insgesamt 1.000,-- Euro.  

Bereits 2002 wurde auf der Filmschau der "Förderpreis der Baden-württembergischen Filmindustrie“ etabliert. Dieser Preis mit Sachleistungen hiesiger Medienunternehmen im Wert von ca. 60.000 Euro zur Förderung der Talente des Landes Baden-Württemberg sollte neue Synergien schaffen. Für diesen Preis kooperierte das Filmbüro mit der Film Commission Region Stuttgart. „Junge Talente werden durch diesen Förderpreis an hiesige Unternehmen gebunden und umgekehrt“, so Co-Initiatorin Marianne Gassner.  

Der Standort wächst – die Festivals auch

„Die neuen Preise haben die Anzahl der Einreichungen zur Filmschau vervielfacht“, so Festivalleiter Oliver Mahn. „Unsere Werkschau wird seit drei Jahren immer ernster genommen. Wo wir früher noch um Einreichungen betteln mussten, sind uns heute viele Einreicher böse, wenn wir sie aus Kapazitätsgründen ablehnen müssen“. Die Festivalarbeit des Filmbüros noch mehr ins Gespräch bringen wird gewiss der neueste Filmpreis, der von der Robert Bosch Stiftung gestiftet wurde: der „Filmförderpreis für Koproduktion in Deutschland und Mittel- und Osteuropa“. „Mit der Gesamtfördersumme von 210.00 Euro dürften der Preis und die Filmschau bald beim Nachwuchs der gesamten europäischen Branche ein Begriff sein“, hofft Oliver Mahn.


Den Blick der Welt auf das Filmland Baden-Württemberg lenken – und umgekehrt. Das hat sich das Filmbüro zum Ziel gesetzt. „Als wir 2003 Robert Altmans ‚The Company' als Eröffnungsfilm zeigten, wunderten sich viele darüber, dass der Film tatsächlich in Ludwigsburg finanziert wurde“, erinnert sich Oliver Mahn. „Wir möchten zeigen, dass Baden-Württemberg einflussreicher ist als viele wissen. Dass ich das Potenzial des Standorts ernst nehme, versuchte ich neben der inhaltlichen Vielfalt auch durch eine äußere Ästhetik zu repräsentieren. Anfangs wunderte man sich in der Branche etwas, dass wir für Französische Filmtage Stuttgart und Filmschau mit rotem Teppich, Palmen und Scheinwerfern arbeiteten. Für uns gehört dies aber zum neuen Selbstbewusstsein des Standorts, das sich bei bestimmten Veranstaltungen auch in deren äußerem Erscheinungsbild niederschlagen sollte. Natürlich sind unsere finanziellen Mittel sehr beschränkt, aber die Kreativität unser jungen Praktikantinnen und Praktikanten macht hier vieles wieder wett. All das heißt aber nicht, dass wir den einstigen Independent-Charme der Filmschau vergessen haben oder nur noch die kommerzielle Branche im Auge haben – im Gegenteil.“ „Trashige Independent-Aufführungen mit anschließenden Partys im Underground wie zum Beispiel bei Szene-Wirtin Laura-Halding-Hoppenheit – die übrigens auch überzeugtes Filmbüromitglied ist - konnten wir uns, vor allem dank der permanenten Einbeziehung der Jugend in die Organisationsarbeit, trotz der Professionalisierung des Festivals erhalten“, freut sich Regisseur und Drehbuchautor Jørn Precht. „Die Bilder des Landes sind bunt, und das wollen wir auch nach 23 Jahren gern in allen Nuancen zeigen.“  

Vom einstmaligen Branchentreffpunkt für Medienschaffende hat sich die Filmschau dank des bunt orchestrierten Programms in den letzten Jahren immer mehr auch zum Publikumsfestival gemausert. Hierzu trägt die Mischung aus Premieren, Themenreihen und Wettbewerben bei, die dem interessierten Publikum eine breite Palette des baden-württembergischen Filmschaffens präsentiert. Die Einrichtung eines eigenen Kinderprogramms, der Wettbewerb um den Jugendfilmpreis, populäre Screenings von beliebten Reihen wie „Tatort “ oder Kindermagazinen tun ein Übriges. Und trotz regelmäßiger Retrospektiven - wie die Reihen zu Regisseuren mit Bezug zum Land (Carl Lämmle, Nico Hofmann, Roland Emmerich u.v.a.) oder zu bestimmten Jubiläen wie etwa 2002 zum Landesjubiläum - blieb der Blick dieses wichtigen Branchenmeetings stets nach vorne gerichtet.  

Das Konzept scheint bei Branche und Publikum gleichermaßen aufzugehen. 2002 musste die Filmschau zum ersten Mal auf Räumlichkeiten außerhalb des Filmhauses zugreifen, da die Zuschauerzahlen 2001 massiv angestiegen waren und die Kapazität des Stuttgarter Filmhauses durch die Renovierungsmaßnahmen seinerzeit ohnehin begrenzt war. Seither ist das stilvolle Metropol Kino im ehemaligen Hauptbahnhof in der Bolzstraße regelmäßiger Partner für die Veranstaltungen des Filmbüros. 2003 wurde erstmals auch Ludwigsburg mit in das Veranstaltungsprogramm aufgenommen.  

Der Blick in die Welt – Bollywood and beyond

Im Wissen um den immer größeren Einfluss Baden-Württembergs auch im internationalen Filmgeschäft griff das Filmbüro im Frühjahr diesen Jahres eine Idee auf, die ihren Anfang in Los Angeles genommen hatte. Auf der dortigen Location-Expo war 2003 ein Foreign Shooting Coordinator aus Indien auf die Region Stuttgart als Drehort aufmerksam geworden.  

Ein Kontakt zur hiesigen Film Commission kam zu Stande, anknüpfend daran wurden indische Produzenten eingeladen, sich bei einer Locationtour über die große Vielfalt interessanter Motive des Landes Baden-Württemberg zu informieren und hier Filmprojekte zu drehen. Bereits im Juli 2003 wurden zwei indische Produktionen in der Stadt Stuttgart und Umgebung realisiert.  

Im Rahmen der städtepartnerschaftlichen Veranstaltung "Stuttgart meets Mumbai" besuchte dann Anfang 2004 eine Wirtschaftsdelegation mit dem 1. Bürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart, Jürgen Beck, sowie dem indischen Honorarkonsul Andreas Lapp Indien. Bei der Veranstaltung in Mumbai (Bombay) entwickelten Marianne Gassner und Dr. Hans-Joachim Petersen zusammen mit einem indischen Produzentenverband die Idee eines indischen Filmfestivals in Stuttgart.


Von der Stadt Stuttgart damit beauftragt, dieses Indische Filmfestival zu organisieren, freute sich der Vorstand des Filmbüros über diese Chance, verschiedene Länder und Kulturen zusammen zu führen und Kooperationen mit Baden-Württemberg zu fördern. Mit dieser Initiative sollte die Festivallandschaft in der Region bereichert werden. Ziel des Festivals „Bollywood and beyond“ war es - neben einer Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit – den Zuschauern einen Blick auf die kulturelle Vielfalt dieser in Deutschland (noch!) weitgehend unbekannten Filmindustrie zu ermöglichen.  

Vom 14. - 18. Juli 2004 fand dieses Filmfestival in und rund um das Stuttgarter Filmhaus sowie in Ludwigsburg statt – und das Publikum schien auf ein solches Programm nur gewartet zu haben: Über 3.500 Besucher strömten in die Veranstaltungsorte. Am Rande des Festivals führte die Film Commission Region Stuttgart mit Unterstützung der MFG-Filmförderung erneut Locationtouren für die anwesenden indischen Produzenten statt. Finanziert wurde das Festival je zu gleichen Teilen von der Landeshauptstadt Stuttgart und der Stadt Ludwigsburg, der größte Teil des Geldes kam jedoch von privaten Sponsoren: allen voran die U.I. Lapp GmbH, dann die Daimler Chrysler AG und die Robert Bosch GmbH.  

„Die Tatsache, dass ein international interessantes Festival im Land in Folge einer städtepartnerschaftlichen Initiative und aus einer natürlichen Bedarfssituation bei Publikum und Wirtschaft entstehen kann, ist für das Filmbüro sehr spannend“, erklärt Oliver Mahn. „Es könnte ein Signal für die Festivalpolitik im Land sein.“    

Ausblick – das Filmbüro als unabhängige Produzentenförderung?  

Seit Anfang 2004 ist nun auch die letzte freie Medienbürofläche im Stuttgarter Filmhaus vermietet. Medienteamchef Hans-Joachim Petersen hat sich für 2005 eine noch größere Auslastung an Fremdveranstaltungen im Filmhaus Stuttgart vorgenommen. Vom Erlös sollen technische Neuanschaffungen finanziert werden. Die beiden jungen Festivals "Bollywood and beyond" und "Kinoblick – Tage des russischen Films" sollen weiter wachsen. Dafür wird zusätzlich der Innenhof und der Eingang an der Lautenschlagerstraße saniert.  

Trotz dieser erfreulichen Entwicklung möchte das Filmbüro Baden-Württemberg e.V. sein Engagement künftig keineswegs auf den Abspielbereich beschränken, sondern auch wieder mehr denn je als unabhängige Interessenvertretung der Produzenten im Bundesland fungieren. Medienanwalt und Vereinsvorstand Heiko Burkardsmaier: „Die Erfolge des Verbandes deutscher Filmproduzenten haben uns motiviert, hier wieder aktiver zu werden“.  

Einige im Filmbüro erinnern sich noch gut an die Worte Thomas Klingenmaiers, der angesichts der Senderfusion im Lande 1998 in der Stuttgarter Zeitung resümierte: „Folglich bräuchte es eine starke Interessenvertretung der freien Medienszene, die als Korrektiv zu Sender, Medien- und Filmgesellschaft und Landespolitik agiert und beharrlich auf die realen Arbeitsbedingungen aufmerksam macht“.  

„Der ‚streitbare Haufen', als den sich Herr Klingenmaier seinerzeit das Filmbüro erhoffte, sind wir schon aus Kapazitätsgründen nur bedingt“, bemerkt Oliver Mahn bei der Durchsicht des Presse-Archivs der vergangenen Jahre, „aber auf jeden Fall sind wir es gewohnt, uns trotz chronischen Geldmangels durchzubeißen und zu kämpfen.“ Was die Notwendigkeit einer starken Interessenvertretung der unabhängigen Medienszene betrifft, darüber scheint man sich ohnehin auch in den etablierten Institutionen im Klaren zu sein. „Die MFG zum Beispiel hat uns zu unserem Vorhaben ausdrücklich ermutigt“, berichtet Jørn Precht. Auch Dr. Bessey zeigt sich im Interview überzeugt, dass das Filmbüro in der Pflicht steht, die Promotion der Ideen und Filme unabhängiger Produzenten voranzutreiben. „Dies beinhaltet auch politische Arbeit für den Standort beim hiesigen Sender.“ Und auch Wolfgang Katzke, einer der erfolgreichsten unabhängigen Produzenten im Land (zwei in Baden-Württemberg gedrehte SAT.1 TV-Movies 2003 und 2005), erklärt: „Der Bedarf ist da. Wenn das Filmbüro als Interessenvertretung der Produzenten fungiert, wird die Mitgliederzahl bestimmt steigen.“


Eines steht fest: Auch ein knappes Vierteljahrhundert nach seiner Gründung und der Erfüllung vieler anfänglicher Wünsche für das Land – für das Filmbüro Baden-Württemberg e.V. gibt es auch in Zukunft noch viel zu tun.    

Jørn Precht, 21. November 2004    

Textquellen:

Bär, Peter: "Dem Land seine Bilder geben - aber womit?" in Rhein-Neckar-Zeitung, Donnerstag, 13. Oktober 1983 Flenner, Günter: "Raus aus der Film-Provinz" in Sonntag Aktuell, 11. April 1982  

Precht, Jørn: „Die Geschichte des Filmhauses Stuttgart“ auf der Website www.filmhaus-stuttgart.de , 2003  

Precht, Jørn: „Die Entstehung von Filmakademie und Filmförderung in Baden-Württemberg“ – Interview mit Dr. Klaus Bessey, November 2004, noch unveröffentlicht Haus des Dokumentarfilms: „Gründung und Organisation des Hauses des Dokumentarfilms“ auf www.hdf.de , o.J.  

Klingenmaier, Thomas: „Jede Menge aufgeschobene Debatten“ in Stuttgarter Zeitung, 1. Dezember 1998 Mostbacher-Dix, Petra & Schwab, Helene: "Wie verkauft man Unverkäufliches?" in Sonnendeck - Stuttgarter Kunstnotizen, 12/2003 ( www.sonnendeck-stuttgart.de )  

Schnell, Constantin: „Gemeinsam sind wir stark“ – Interview mit Dr. Klaus Bessey, in: FILMFACTS SÜDWEST, 3/2002 Walter, Uwe: "Einsame Rufer in der Wüste" in Stuttgarter Nachrichten, 16. August 1983  

Unbekannter Verfasser (Kürzel jhe): "Filmemacher aus dem "Ländle", Mannheimer Morgen, 9. Oktober 1981 Unbekannter Verfasser (Kürzel bcc/bz): „Filmkultur im Land“ in TÜTE, Ausgabe ? 81/82, Seite 16  

Dank an:

Dr. Klaus Bessey, Andreas Bühler, Jonnie Döbele, Beate Ehrmann, Marianne Gassner, Hadwig Goez, Susanne Graf, Willi Karow, Hannelore Kober, Dieter Krauß, Anne Marburger, Hans-Joachim Petersen, Kathrin Rohwedder, Constantin Schnell.

Jörn Precht, M. A., Studien- und Ausbildungsleiter